Höhepunkt der Flut hat Terezín/Theresienstadt hinter sich

5. Juni 2013

Den Höhepunkt der Flut hat Terezín bereits hinter sich. Die gute Nachricht: Die Stadt ist bisher trocken. Damit ist gemeint, dass zumindest der Bereich innerhalb des Festungswalls vom Hochwasser verschont blieb. Aber die Situation ist nach wie vor besonders prekär, weil die Stadt unmittelbar am Zusammenfluss von Elbe und Eger liegt. Von der Eger geht offenbar im Moment keine akute Gefahr aus, der Pegel sinkt langsam. Die größere Gefahr droht weiterhin von der Elbe. Die Stadtverwaltung rechnet damit, dass es zu einem Rückstau kommen könnte. Dieses Phänomen führte 2002 dazu, dass mehr als 40 Orte überflutet wurden und eine geschlossene Seenlandschaft mit gigantischen Ausmaßen entstand.

Damit das Wasser  nicht in die Stadt fließen kann, wurden in den letzten beiden Tagen überall dort Sperrwerke errichtet, wo der innere Festungswall nicht geschlossen ist. Wie im Jahr 2002 versucht man die Kurtinen zwischen den Bastionen 1 und 8 zu schließen.  Die letzte Öffnung wurde heute gegen 18.30 Uhr geschlossen, so die Meldung auf der Website der Stadt.  Das ist wirklich eine gute Nachricht.

Wenn diese Sperrwerke  halten, wird Terezín höchstwahrscheinlich dieses Hochwasser halbwegs unbeschadet überstehen. Bislang ist nur bekannt, dass einige Häuser im Stadtteil Kreta, der außerhalb des Festungsgürtels liegt,  betroffen sind.

Doch der Wasserstand in den Gräben der Großen Festung ist seit gestern konstant hoch, was  viele Menschen beunruhigt.  Doch keine Angst – die Festung wurde für diesen Zweck angelegt! Das  heißt, dass diese Wälle und Mauern so stabil sind, dass sie dem Wasser widerstehen sollten. Und ganz wichtig: Das Niveau der Gräben ist deutlich niedriger als das Niveau der eigentlichen Stadt, die wiederum aus guten Gründen erhöht liegt.  Diese Bauweise ergab im Falle einer Belagerung einst einen Sinn. Und heute sollten wir ruhig darauf vertrauen, dass die  Genie-Ingenieure beim Bau der Festung alles richtig gemacht haben.

Zum Schluss noch ein ganz vorsichtiger erster Zwischenstand zu den Schäden in der Stadt und der Gedenkstätte: Die Kleine Festung, wo sich der Hauptsitz der Gedenkstätte befindet, blieb vermutlich vom Hochwasser verschont – das zeigen zumindest Luftbilder, die die lokale Presse veröffentlichte. Das Wasser steht  jedoch im Leitmeritzer und Bauschowitzer Kessel (zwei Becken nördlich und südlich von Terezín) relativ hoch, so dass der Wasserstand beim jüdischen Friedhof und mindestens einen Meter beträgt. (Das ist eine eigene Schätzung anhand der Luftbilder).

Aber auch die   Kasematten in den Festungswerken, die vor dem inneren Festungswall liegen, stehen unter Wasser. Auf der Südseite sind vor allem  die Einrichtungen der Gedenkstätte betroffen: das Kolumbarium, die Leichenhalle und die Zeremonienräume.

 

Erstellt am: 5. Juni 2013

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